Der Haftbefehl ließ sich nicht aufrechterhalten: Die Polizei musste einen Tatverdächtigen nicht einmal 24 Stunden nach seiner Festnahme im Raubüberfall auf ein Poker-Turnier in Berlin wieder entlassen.
Das teilte die Polizei am Samstag abend mit und bestätigte damit einen Bericht der «Berliner Morgenpost» (Sonntag). Der Haftbefehl wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Berliner Amtsgericht Tiergarten wieder aufgehoben. Der dringende Tatverdacht des schweren Raubes gegen den Mann habe sich nach den Ermittlungen nicht bestätigt, hieß es. Damit zerrann der erste Fahndungserfolg der Polizei in dem spektakulären Raub in einem Grandhotel mitten im Herzen Berlins am Potsdamer Platz. Laut Nachrichtenmagazin «Spiegel» war die Ausrichtung des Turniers rechtlich nicht einwandfrei.
Der Mann war am Freitagabend gegen 21.00 Uhr in einer Wohnung in Berlin von Spezialeinsatzkräften der Polizei unter dem Vorwurf des gemeinschaftlichen schweren Raubes festgenommen worden. Er sollte am vergangenen Samstag gemeinsam mit drei bewaffneten und maskierten Komplizen ein internationales Poker-Turnier im Grand Hyatt Hotel überfallen und 242 000 Euro erbeutet haben.
Nach Informationen der dpa und der «Berliner Morgenpost» handelte es sich bei dem Festgenommenen um einen Mann, der bei einem Überfall auf ein Casino am Alexanderplatz im Jahr 2004 beteiligt war. Dafür war er rechtskräftig zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden und erst seit kurzem wieder auf freiem Fuß. Auf ihn waren die Ermittler gekommen, nachdem sie die Bilder von Überwachungskameras des Grand Hyatt und vom Potsdamer Platz ausgewertet hatten. Offenbar sah der Mann auf den Videos dem Festgenommenen ähnlich. Nach seiner Festnahme stellten die Ermittler allerdings fest, dass es sich doch nicht um denselben Mann handelte.
Die Polizei sah Parallelen, da die Täter in beiden Fällen offenbar ähnlich dilettantisch vorgegangen waren. Beim Raubüberfall am vergangenen Samstag ist auf Bildern aus Überwachungskameras zu sehen, dass einer der Räuber keine Handschuhe trug. Von einem anderen soll das Gesicht zu sehen sein, weil sich die Täter auf der Flucht die Masken vom Kopf gerissen haben.
Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» schreibt, war das Poker- Turnier nicht mit dem Glücksspielstaatsvertrag vereinbar. Andere Bundesländer wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hätten das Spiel deshalb verhindert. Grundsätzlich sei Pokerspiel mit hohen Einsätzen nur in zugelassenen Spielbanken mit entsprechenden Sicherheitseinrichtungen erlaubt. Um das Turnier dennoch ausrichten zu können, sei die Spielbank Berlin zum alleinigen Veranstalter und das Grand Hyatt zum «zeitweiligen Spielbankstandort» erklärt worden.
Danach war scharfe Kritik an den geringen Sicherheitsvorkehrungen laut geworden. Der Chef der Polizeigewerkschaft im Beamtenbund, Rainer Wendt, hatte dem Turnierveranstalter European Poker Tour (EPT) vorgeworfen, wer mit solchen Geldsummen in bar hantiere und sie offen herumliegen lasse, müsse dafür sorgen, dass genügend Sicherheitspersonal da ist.
Quelle
| EPT Berlin : Überfall – Verdächtiger wieder auf freienm Fuß |
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